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Aus den Ghosttowns von Detroit

Detroid
Adobe Stock - Dion

Gangs, Gewalt und folgenschwerer Deal

1957 erblickte ich in Detroit, Michigan das Licht der Welt und verbrachte dort meine Kindheit und Jugend. Meine Mutter arbeitete als Krankenschwester und wechselte später in den Lehrberuf. Mein Vater diente als Kampfausbilder beim Militär und bekleidete den Rang eines Stabsfeldwebels im Koreakrieg. Als meine Eltern einander begegneten, war meine Mutter gerade 18 Jahre alt. Die Dinge entwickelten sich rasch, und so nahm mein Lebensweg seinen Anfang.

Spießrutenlauf als Kind

Das Leben in den Vororten von Detroit war damals wie heute von Gewalt, Straßenkämpfen und Kriminalität geprägt. Überall stieß man auf Gangs, die ihr Territorium verteidigten. Sicherheit war ein Fremdwort; ständig lauerte die Gefahr eines Zwischenfalls. Besonders für uns Kinder war das eine große Herausforderung. Oftmals sprinteten wir die fünf Kilometer von der Schule nach Hause, um nicht belästigt zu werden. Manchmal wählten wir Umwege, um den Gangs aus dem Weg zu gehen. Immer gab es jemanden, der aufpasste, dass wir unversehrt zu Hause ankamen, insbesondere bei mir, da ich recht klein war. Oft konnten unsere Eltern jedoch nicht ahnen, welchen Herausforderungen wir tatsächlich ausgesetzt waren.
Die meisten Mitglieder in den Gangs waren eigentlich ganz normale Jungs, die einerseits nach einer Perspektive in ihrem Leben suchten, andererseits eben in den Straßen abhingen. Ihr Vorgehen bestand oft darin, anderen Angst einzujagen und Geld zu erpressen. Normalerweise bekämpften sich die Gangs eher untereinander, aber sie machten auch allen anderen das Leben schwer. Persönlich wurde ich dreimal Opfer von Schlägereien. Einmal musste mein Bruder hilflos zusehen. Er wollte mir beistehen und schlug zurück, obwohl er noch viel kleiner war als ich und letztendlich nichts ausrichten konnte. Ich hätte ihn gerne davor bewahrt, das alles mitzuerleben, aber ich fühlte mich ohnmächtig, was meine Wut nur verstärkte.

Persönlich gehörte ich keiner Gang an. In der Gangkultur kam für jeden früher oder später die Entscheidung, ob man sich einer Gang anschließen oder sich gegen sie stellen wollte. Einige drängten mich dazu, ihrer Gang beizutreten, aber ich wollte dieses Gangleben nicht und lehnte ab.

Immer konnte etwas passieren

Auch unser Familienleben gestaltete sich nicht ganz einfach. In meinen frühen Jahren war noch alles halbwegs in Ordnung, aber später stritten meine Eltern immer öfter miteinander und wurden sogar handgreiflich. Oftmals wurden wir Kinder dann aus dem Zimmer geschickt, damit wir nicht Zeugen ihrer Auseinandersetzungen wurden. Es gab Zeiten, in denen mein Vater meine Mutter schlug, und einmal drohte er sogar damit, sie mit einer Waffe zu erschießen. Glücklicherweise tat er dies nicht, aber er feuerte einen Schuss in die Zimmerdecke ab. Diese Erfahrungen zu durchleben, war für uns entsetzlich.

Aber wir gewöhnten uns auch an die Gewalt. Schließlich wuchsen wir damit auf und erlebten sie überall und immer wieder. Als ich älter wurde, besuchte ich oft Partys oder war mit meinen Freunden in Clubs unterwegs. Wir lachten und hatten Spaß. Doch gleichzeitig war das auch gefährlich, denn es konnte jederzeit passieren, dass jemand hereinkam, einen Streit begann und eine Schlägerei entfachte.

Ich lebte in einer sehr intensiven Gesellschaft; nie wusste man, was einen erwartete. Diese Gewalt konnte man weder ignorieren noch naiv damit umgehen. Weisheit und das Erlernen angemessener Verhaltensweisen waren von entscheidender Bedeutung. Als Sicherheitsbeamter und Polizist zeigte mir mein Vater viel später, als ich 22 Jahre alt war, wie man eine Waffe benutzt. Ich interessierte mich eigentlich nicht wirklich für Waffen, aber mein Vater argumentierte: »Wenn jemand ins Haus einbricht, musst du wissen, was zu tun ist.« So gestaltete sich unser Leben.

Kampfsport mit 13

So suchte ich nach Wegen, dieser Gewalt zu begegnen. Mein Vater zeigte mir einiges, aber er bildete mich nicht wirklich aus. Eines Tages stieß ich auf seine Bücher über Kampftechniken, und weil ich Schwierigkeiten mit den Jungs in der Schule hatte, begann ich, mich in seine Bücher zu vertiefen. Das brachte mir jedoch nicht viel, da mir ein Übungspartner fehlte. Dann, eines Tages, sah ich in einer Fernsehsendung zum ersten Mal Bruce Lee, den bekannten sinoamerikanischen Kampfkünstler, Kampfsportlehrer und Schauspieler. Seine Kicks faszinierten mich, und ich dachte: Genau das muss ich auch lernen. Aber natürlich schien das damals außerhalb meiner Reichweite zu liegen.

Doch dann geschah etwas. Eines Tages – es war in der Schule – schnappte mich ein Jugendlicher auf dem Gang, schlug mich und lachte mich aus. Ich war so verärgert, dass ich beschloss, zurückzuschlagen – so gut ich nur konnte. Allerdings stand noch ein anderer Jugendlicher bei uns. Er versuchte, die Jungs davon abzuhalten, mich zu schlagen. Doch ich war so wütend und wehrte mich so heftig, dass ich aus Versehen ihn traf. Er jedoch fing meine Hand auf eine Weise ab, die mich erkennen ließ, dass hier etwas anders war. Ich fiel rückwärts und fragte ihn, wie er das gemacht hatte, denn das war kein gewöhnlicher Schlag. Er erzählte mir, dass sein Bruder ihm Karate beigebracht hatte. Dann ließ er mich einen dicken Stock halten und schlug ihn mit der Hand durch. Das beeindruckte mich sehr. Er erklärte, dass sein Bruder und er eine Kampfsportschule besuchten, weil die Gewalt in Detroit so hoch war. So begann auch ich im Alter von etwa 13 Jahren, Kampfsport zu lernen.

Mit einem Fuß im Gefängnis

In dieser Zeit ereignete sich etwas, das mir verdeutlichte, wie schnell man im Gefängnis landen konnte. Die Freundin meines Kumpels wurde vom Freund ihrer Freundin aus dem Fenster geworfen, weil die beiden Mädchen einen Streit miteinander hatten. Die Verletzte wurde ins Krankenhaus gebracht, und wir entschieden uns, diesen Jungen an seiner Schule aufzusuchen und die Angelegenheit zu klären. Obwohl wir alle Kampfsport beherrschten und nicht vorhatten zu kämpfen oder zu boxen, wollten wir die Sache bereinigen. Der Bruder des Mädchens begleitete uns und hatte eine Schusswaffe. Ich selbst hatte ein Messer, eine Weste, in die man die Waffen steckte, und Stöcke dabei.

Mein Freund und ich gingen also in die Schule und suchten den Jungen. Einige Schüler bemerkten schnell, dass wir nicht zur Schule gehörten, und informierten den Schulleiter über die ungebetenen Gäste. Der Schulleiter rief sofort die Polizei. Wir rannten aus der Schule, aber als wir einen Häuserblock von der Schule entfernt waren, umgaben uns die Polizeiautos schon von allen Seiten. Vor uns, hinter uns, überall.

Sie nahmen mich und meine Freunde fest. Zum Glück wurde der Bruder des Mädchens nicht erwischt, da er eine Waffe bei sich trug. Wurde man nämlich mit einer Waffe festgenommen, drohten sofort zwei Jahre Gefängnisstrafe. Es genügte schon, Zugang zu einer Waffe zu haben, um im Gefängnis zu landen.

Wir wurden also inhaftiert, erhielten einen Anwalt und mussten vor Gericht aussagen. Das Gericht entschied schließlich, uns auf Kaution und Bewährung freizulassen, jedoch mit der Warnung, dass wir sofort zwei Jahre Gefängnisstrafe erhalten würden, sollten wir auch nur bei einem Verkehrsdelikt erwischt werden. Es war erforderlich, dass jemand die Kaution für uns zahlte, und zwar für alle von uns. Dank eines Onkels von einem unserer Freunde, der seinen Neffen aus der Haft holen wollte, zahlte dieser Onkel die 1000 Dollar für jeden von uns fünf. Ich war erleichtert.

Als ich dort im Gefängnis saß, umgeben von anderen Häftlingen wie ein echter Krimineller, gingen mir viele Gedanken durch den Kopf. Ich dachte: Wenn man kein schwerwiegendes Verbrechen begangen hat, also nichts wirklich Schlimmes, dann hat man es wirklich nicht verdient, hier zu sein! Ich schwor mir, mich in Zukunft von all dem fernzuhalten.

Religiöse Oma

Meine gläubige Oma hatte immer einen großen Einfluss auf das Leben unserer Familie. Als wir noch klein waren, brachte meine Mutter uns oft zu ihr, und sie passte auf uns auf. Sie war sehr gläubig und drängte meinen Vater immer wieder, Prediger zu werden. Doch mein Vater wollte nichts mit Jesus zu tun haben und trat stattdessen dem Militär bei. Später, als ich geboren wurde, sagte sie meinem Vater, dass ich, ihr Enkel, dazu berufen sei, Prediger zu werden. Mein Vater runzelte nur die Stirn und tat es als eine ihrer verrückten Ideen ab. Zu dieser Zeit war ich noch sehr jung und verstand nicht, worüber meine Oma sprach. Als ich dann Teenager war, erzählte meine Oma aber weiter davon, dass Gott mich zum Prediger berufen habe. Ich sträubte mich jedoch gegen diese Vorstellung.

Vom Kampfsporttraining zum Lebensstil

Zu dieser Zeit wurde der Kampfsport für mich mehr als nur Training. Er wurde zu einer Art Religion. Einerseits aufgrund der Gewalt, die wir erlebten, aber auch, weil ich irgendwann wirklich gut darin werden wollte. Ich investierte mich ganz und gar in den Kampfsport und trainierte schließlich bis zu 8 Stunden am Tag.
Das hatte eine positive Seite: Es hielt mich davon ab, zu rauchen und zu trinken. Der Gedanke im Kampfsport ist ja, sich immer und zu jeder Zeit fit und gesund zu halten. Ich probierte das Rauchen zwar aus, merkte aber schnell, dass das nicht meinen Vorstellungen entsprach. Ich wollte mich fit halten. Marihuana versuchte ich erst gar nicht. Der Geruch schlug uns zwar schon am Schultor entgegen, so viel wurde dort geraucht, aber schon allein davon bekam ich Kopfschmerzen. So blieb ich davor bewahrt.

Schlechtere Noten und Sinnfrage

Irgendwann wurde die Gewalt an unserer Schule so schlimm, dass ich nicht mehr regelmäßig hinging. Entweder schwänzte ich ganz oder ich kam später, um bestimmten Jungs aus dem Weg zu gehen. Oft lief ich vor Angst einfach in der Gegend herum oder ging zu Freunden. Dadurch bekam ich nicht die Noten, die ich hätte bekommen können, und musste deshalb an der Sommerschule teilnehmen. Wir versuchten unser Bestes, aber diese schrecklichen Ereignisse in unserer Umgebung hinterließen ihre Spuren. Manchmal war es wirklich ein Albtraum, vor allem, wenn dann noch unsere Eltern stritten oder wir Kinder miteinander kämpften.

Es kam zu einem Punkt, an dem ich nirgendwo mehr hingehen wollte und mich fragte, ob das alles im Leben sei. Selbst die Partys, auf die ich eigentlich gerne ging, machten nicht viel Sinn, da ich weder trank noch rauchte. Ich merkte, es musste noch mehr geben! Langsam führte mich mein Weg zu Gott.

Handverletzung ruiniert meine Pläne

Zeichnen und Malen waren meine große Leidenschaft. Ich gewann damals den ersten Platz in einem Malwettbewerb und erhielt ein Stipendium, um in Detroit eine Kunstschule zu besuchen.

Zu dieser Zeit war ich 14 Jahre alt und spielte auch gerne American Football. Einmal spielten wir auf einem Parkplatz mit großen Fensterscheiben. Mein Freund rannte sehr schnell, und ich jagte ihm hinterher. Aber an einem bestimmten Punkt konnte ich nicht mehr stoppen, rannte in eine Fensterscheibe und verletzte mir die Pulsadern am rechten Handgelenk. Ich wurde ins Krankenhaus gebracht und wäre daran fast gestorben, aber Gott bewahrte mich. In einer schwierigen Operation musste man die bis zum Ellbogen zurückgerutschten Venen rasch wieder nach vorne bringen; wären sie weiter zurückgerutscht, hätte man den Arm amputieren müssen. Nach dieser OP sagte mir der Arzt, dass ich meine rechte Hand wahrscheinlich nie mehr richtig gebrauchen könnte, da auch die Nerven stark verletzt waren. Das war ein großer Schock für mich, denn ich wollte zu diesem Zeitpunkt meine künstlerischen Talente ausbauen. So konnte ich also nicht an die Kunstschule gehen.

Deal mit Gott

Mit mir im Krankenhaus lag ein talentierter Klavierspieler auf dem Zimmer. Er war in einen Kampf verwickelt worden, und weil er sich weigerte, den Forderungen der Gang nachzukommen, hatten sie ihm an beiden Handgelenken die Sehnen durchgeschnitten. Er konnte also nicht mehr Klavier spielen. Als ich das sah, betete ich: »HERR, bitte hilf diesem Jungen! Und wenn du mich hören kannst, dann bitte ich dich: Hilf auch mir! Bitte heile meine Hand! Und wenn du mich eines Tages rufst, dann werde ich dir dienen.«

Ich wusste damals nicht viel über Gott, hatte nie in der Bibel gelesen. Alles, was ich wusste, war, was wir in der Sonntagsschule gelernt hatten. Jetzt dachte ich über das Gelernte nach und machte diesen Deal mit Gott.

Das Wunder geschieht!

Die Zeit verging, und Gott segnete meine Hand. Sie wurde nicht vollständig geheilt, aber das Gefühl in meinen Fingern kam zurück. Der Arzt war überrascht und sagte, ich sei einer der wenigen Fälle, bei denen tatsächlich so etwas wie ein Wunder geschehen sei. Eigentlich hätte es keine Möglichkeit gegeben, meine Hand wieder normal zu gebrauchen, aber meine Nerven funktionierten wieder, und ich konnte wieder fühlen und alle Finger bewegen. Das war ein Wunder!

Zur Oma nach Mississippi

Ich glaubte nicht an Wunder und dachte damals nicht allzu viel darüber nach. Ich war einfach nur froh, dass ich meine Hand wieder hatte. Damals war ich 17, hatte gerade meinen Abschluss an der Highschool gemacht und war nun bereit, zum College zu gehen. Meine Mutter schickte mich eine Zeit lang nach Mississippi zu ihrer Familie: zu meiner Oma und meiner Tante, zwei extrem religiösen Frauen. Sie wollten natürlich, dass ich mit ihnen in die Kirche ging. Ich versuchte zwar, mich davor zu drücken, aber schließlich ging ich doch mit.

Gruselige Gottesdienste

Der Gottesdienst war ein einziges Spektakel. Die Prediger legten den Menschen die Hände auf, um sie zu heilen; die Menschen fielen zu Boden und fingen an zu zucken. Für mich war das alles einfach nur seltsam; ich glaubte nicht daran. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass Gott mich auf den Boden schubsen und meinen Anzug schmutzig machen würde, um meine Aufmerksamkeit zu gewinnen.

Einmal nahm meine Tante mich mit nach vorn, und der Mann legte mir die Hand auf und sagte: »Im Namen Jesu!«, natürlich mit der Absicht, dass auch ich umfallen würde. Aber ich fiel nicht um. Er sagte, ich würde mich nicht konzentrieren, und wiederholte: »Im Namen Jesu!« Aber ich fiel nicht um. Er wiederholte es noch einmal, meinte, ich würde mich nicht fokussieren. Aber nichts passierte. Für mich war der Mann einfach nicht authentisch; ich konnte nichts mit dem Ganzen anfangen.

Meine Oma sagte, ich solle nun einen anderen Prediger treffen. Er sei ein Prophet. Ich dachte, »Na gut!«, und ging hinüber zu dem Prediger. Er war blind. Meine Tante stellte mich vor: »Das ist mein Neffe Maurice.« Ich schüttelte seine Hand. Er hielt meine Hand fest und sagte: »Junger Mann, Gott ruft dich!« Ich hörte zu. Er fuhr fort: »Gott wird dich das Buch Daniel lehren. Wenn du dein Leben Jesus gibst, bekommst du ein neues Denken. Du wirst die Kraft haben, Tote aufzuerwecken.« Als ich das hörte, zog ich meine Hand zurück. Er sagte, wenn ich 30 Tage hierbliebe und mein Leben Jesus gäbe, würde ich ein anderer Mensch werden. Für mich war das gruselig. Ich wollte auf gar keinen Fall hierbleiben und ging nach Hause.

Daraufhin entschied ich mich, nie mehr in die Kirche zu gehen! Trotzdem blieb mir das, was er gesagt hatte, im Kopf hängen, auch wenn ich versuchte, es zu ignorieren. Ich ging wieder nach Detroit und mied zwei Jahre lang jegliche Kirche. In dieser Zeit arbeitete ich und verdiente mir etwas Geld.

Lebensverändernde Worte: Kommst du?

Dann lud mich jemand von den jungen Leuten erneut ein, mit ihnen in die Kirche zu gehen. Ich hatte eigentlich keine Lust, aber da war ein Mädchen, das mir gefiel, und so ging ich wegen ihr mit.

Ich kam also rein und sie saß bei ihrer Familie. Ihr Bruder winkte mir zu; es war eine Adventgemeinde. Ich schaute auf meine Uhr und dachte, okay, das wird nun ungefähr eine Stunde dauern …

Ich saß also da und hörte, wie der Prediger über die Offenbarung sprach. Das Mädchen saß bei ihrer Familie mit Nichten und Neffen, und sie alle schauten mich an. Ich hatte damals langes Haar und eine Sonnenbrille und dachte: »Hoffentlich ist das bald vorbei.«

Dann machte der Prediger einen Aufruf. Das war mir zu viel und ich dachte: »Ich muss hier unbedingt raus. Ich haue jetzt ab und laufe zu Fuß nach Hause. Und ich komme definitiv nicht wieder!«

Aber als ich so dasaß, begann ich zu schwitzen. Meine Hände wurden ganz nass, und ich rieb sie aneinander. Niemand fiel hier auf den Boden! Die Leute lasen in ihren Bibeln! Sie hörten dem Prediger bis zum Schluss zu! Und als der Prediger dann einen Aufruf machte, beteten sie so still und intensiv, dass man eine Nadel hätte fallen hören!

Nach dem Aufruf, kamen Menschen nach vorn und gaben ihr Leben Jesus. Ich fragte mich, was hier los sei. Vorsichtig schaute ich hinter meiner Sonnenbrille hervor.

Und dann hörte ich plötzlich eine Stimme. Noch nie hatte ich so etwas erlebt. Die Stimme sprach mit mir, ganz sanft und leise: Sie sprach in meinen Gedanken und fragte: »Kommst du?« Ich frage mich: »Wohin soll ich kommen? Was soll das bedeuten?« Ich verstand nicht, was die Stimme sagen wollte. Dann hörte ich die Stimme wieder: »Kommst du?« Ich schaute mich um. »Kommen? Wohin? Ich schließe mich den Leuten hier nicht an und hab auch nicht vor, mein Leben aufzugeben.« Dann hörte ich sie noch einmal. »Kommst du? Wenn du jetzt ablehnst, ist dein Platz im Himmelreich weg.«

Ich sank zurück in meinen Sitz. »Mein Platz im Himmelreich weg?« In Gedanken fragte ich: »HERR, wann habe ich dich abgelehnt?« Meine Gedanken gingen zurück zu der Begebenheit, als der blinde Prediger mit mir sprach und sagte: »Wenn du Gott dein Leben gibst, wirst du ein neuer Mensch werden.« Ich dachte an meine Oma; sie war zu dem Zeitpunkt schon verstorben. Sie hatte zu mir gesagt: »Der HERR wird dich rufen, und wenn er dich ruft, dann verhärte dein Herz nicht.« Ich hatte es ihr damals versprochen.

Nun hörte ich den Ruf! Ich wusste: Das war das, wovon meine Oma geredet hatte. Ich wusste: Diese Stimme war nicht meine eigene. Nie hatte ich über das Himmelreich und meinen Platz darin nachgedacht. Das musste Gott sein! Ich stand vor einer Entscheidung.

Also stand ich auf und sagte: »HERR, wenn du mich rufst, dann tue bitte eines: Lehre mich dein Wort! Und wenn du mich dein Wort lehrst, dann werde ich auch andere lehren.« Ich ging also nach vorn und traf diese Entscheidung. Mein Leben, mein Herz, mein Denken wurde neu. Ich war damals 19 Jahre alt.

Neue Beziehungsqualität

Danach ging ich zu meinen Freunden und erzählte ihnen, dass Jesus in mein Leben gekommen war. Ich ging zu den Mädchen, mit denen ich mich damals getroffen hatte, und entschuldigte mich dafür, dass ich ihre Gefühle missbraucht hatte. Meinen Freunden sagte ich, dass ich nicht mehr mit ihnen in Clubs und zu Partys gehen werde. Ich sagte: »Jetzt habe ich Frieden im Herzen. Ich habe etwas Besseres gefunden: Jesus und die Bibel. Jesus ist real! Und Gott ist real.« Als ich das tat, merkte ich, dass auch die Jungs in den Gangs Jesus brauchten. So nahm ich mir vor, ihnen mehr von Jesus zu erzählen.

Drei Träume werden zum Auftrag

Ich wurde also in die Adventgemeinde getauft. Zu dieser Zeit hatte ich einen Traum, und diesen Traum träumte ich drei Nächte hintereinander: Im ersten Teil des Traumes trug ich einen schwarzen Anzug und ging von Haus zu Haus. Im zweiten Teil predigte ich in einem großen, vollen Zelt, und die Menschen entschieden sich für Jesus. Im dritten Traum träumte ich, dass unsere Freiheitsrechte in den USA eingeschränkt wurden und Menschen aufgrund ihres Glaubens verfolgt wurden. Schwitzend wachte ich auf. Ich merkte: Gott rief mich, den Menschen zu dienen!

»HERR, wo soll ich für dich arbeiten?«, fragte ich, und so wurde ich Buchevangelist, Evangelist, Laienprediger und Missionar. Gott sandte mich zuerst zu einem Buchevangelisten, der mich ausbildete. Später reiste ich durch die ganze Welt und predigte von Jesus, unter anderem in großen, vollen Zelten.

Erfolg in einem ausgefallenen Beruf

Religiöse Bücher von Haus zu Haus zu verkaufen, war am Anfang nicht leicht. Drei Monate lang verkaufte ich kein einziges Exemplar! Ich wollte schon aufgeben, doch genau in diesem Augenblick öffnete mir Gott die Türen und Herzen. Durch Gottes Hilfe wurde ich zum erfolgreichsten Buchevangelisten in unserem Gebiet. Gott war an meiner Seite, er sorgte für mich und tat Großes im Leben von Menschen. Ich durfte erleben, wie Gott Menschen aus dem geistlichen Tod auferweckte, und gab ihnen Unterricht aus den Bibelbüchern Daniel und Offenbarung. Dabei machte ich unglaubliche Erfahrungen. Drei davon möchte ich berichten:

Das Geld kam im letzten Moment auf den Cent genau

Einmal arbeitete ich als Buchevangelist in Detroit. Es war Winter und sehr kalt. Mein kirchlicher Arbeitgeber entschied zu diesem Zeitpunkt, mein Honorar wegen einer amtlichen Prüfung zurückzuhalten. So konnte ich meine Miete nicht zahlen. Auch meine Gas- und Stromrechnung waren fällig. Die Gasfirma kam und stellte das Gas ab – mitten im Winter! Die Stromfirma sandte mir eine Rechnung und teilte mir mit, dass sie meinen Strom abstellen würde, wenn ich die Rechnung nicht innerhalb von zwei Tagen beglich. Meine Vermieterin wies mich darauf hin, dass ich bereits einen Monat mit der Miete im Rückstand war, und sie fragte, ob ich sie bitte jetzt zahlen könnte. Ich sagte: »Ja, ich werde meine Miete umgehend bezahlen. Mein Vater – ich meinte damit meinen himmlischen Vater – schickt mir das Geld!«

Ich saß also mächtig in der Klemme, ging in mein Zimmer und betete zu Gott: »Was soll ich tun?»

»Geh ganz normal an die Arbeit!«, war die Antwort.

Also ging ich am nächsten Tag los und arbeitete den ganzen Tag – vom Morgen bis zum Abend. Ich ging mit meinen Büchern von Haus zu Haus, aber niemand ließ mich herein. Nicht einer öffnete mir die Tür und fragte, was ich wollte.

Am Abend konnte ich schließlich ein Buch verkaufen. Aber es wurde allmählich dunkel, es schneite unaufhörlich und war sehr kalt. Ich setzte mich ins Auto und versuchte, mich ein wenig aufzuwärmen. Ich betete: »HERR, danke für die 29,99 Dollar, aber damit kann ich meine Miete nicht zahlen!«

Der Heilige Geist antwortete mir: »Geh die Straße hinunter bis zum vorletzten Haus!«

Also ging ich los, vorbei an allen Häusern. Der Wind blies mir den Schnee in die Augen. Ich hielt am vorletzten Haus, ging die Treppen hinauf und klopfte an. Niemand da. Ich läutete die Klingel.

Eine Frau kam an die Tür und sagte: »Bitte, mein Herr, kommen Sie doch herein!«

Ich war verdutzt: »Wie bitte? Ich soll reinkommen?« »Ja, kommen Sie herein!« »Aber entschuldigen Sie bitte, Sie wissen ja noch gar nicht …« »Kein Problem! Kommen Sie herein! Wärmen Sie sich die Hände am Feuer!«

Ich betrat das Haus, wärmte mich und grübelte vor mich hin, was hier wohl los sei.

»Keine Sorge, ich habe schon auf Sie gewartet!«, ermutigte mich die Dame.

»Wie bitte? Auf mich gewartet?«

»Ja, ich habe auf Sie gewartet. Jeden Morgen stehe ich um 3 Uhr morgens auf. Heute morgen sagte mir der HERR: ›Ich werde heute deinem Haus Erkenntnis bringen. Ein Mann wird ungefähr um 19 Uhr kommen.‹ Ja, und jetzt ist es 19 Uhr, nicht wahr?«

Sie schaute auf ihre Uhr.

»Und sie sind ein Mann mit einem schwarzen Mantel und einer Tasche, oder? Gott sagte mir, es würde ein Mann mit einem schwarzen Mantel und mit einer Tasche kommen und in seiner Tasche wäre Erkenntnis. Was kann ich von Ihnen kaufen?«

»Aber meine Dame, sie haben ja noch gar nicht gesehen, was ich habe?«
»Kein Problem, mein Herr, ich habe den Scheck bereits auf dem Tisch.«

»Aber Moment mal, Sie haben ja noch gar nicht … «

»Kein Problem, zeigen Sie mir Ihre Bücher.«

Ich zeigte ihr also die Bücher, und sie wollte alle kaufen!

»Aber meine Dame«, sagte ich, »Sie wissen nicht, was das kostet!«

»Doch«, sagte sie. »Es kostet 763 Dollar und 63 Cent!«
»Moment bitte!« Ich war verdutzt, holte meinen Taschenrechner aus der Tasche und tippte eifrig alle Preise ein.

»Moment! Ich rechne noch die Steuer dazu …«

Ich tippte weiter, und tatsächlich: Es waren 763 Dollar und 63 Cent! Mit Mehrwertsteuer!

Ich war sprachlos.

»Der Scheck liegt auf dem Tisch«, sagte die Frau. »Danke, dass Sie auf Gott gehört haben und mir diese Bücher gebracht haben!«

Wie im Traum ging ich hinaus auf die verschneite Straße, starrte vor mich hin und trottete in Gedanken versunken zurück zum Auto. Es war nicht zu fassen! Doch langsam dämmerte es mir: Gott hatte eingegriffen! Jetzt konnte ich meine Rechnungen bezahlen!

Ich löste also den Scheck ein und ging zur Gasfirma. Dort sagt man mir, meine Rechnung würde 1000 Dollar betragen! Ich antwortete, das könne nicht sein! Das sei unmöglich!

»Mr. Berry«, antwortete die Dame überzeugt. »Wir sind DIE Gasfirma in Michigan. Wir machen keine Fehler!«

»Aber bitte entschuldigen Sie, da muss ein Fehler vorliegen!«

»Mr. Berry, das kann nicht sein, aber ich frage nochmal im Hauptbüro nach, damit alle Unklarheiten beseitigt werden!«

Die Dame kommunizierte also mit dem Hauptbüro, schaute zu mir herüber, sprach weiter am Telefon. Nach einer Weile drehte sie sich zu mir um und sagte etwas peinlich berührt:

»Ähm, Mr. Berry … bitte entschuldigen Sie … da muss ein Fehler passiert sein! Ihre Rechnung beträgt nur 200 Dollar. Wenn Sie es heute zahlen, stellen wir Ihnen sofort das Gas wieder an. Können Sie das zahlen?«

»Natürlich!«

Ich gab ihr das Geld, ging nach Hause, rannte zur Vermieterin und berichtete ihr, dass mein Vater mir das Geld gesandt hatte! Ich zahlte meine Miete und auch meine Stromrechnung und hatte noch ein wenig Geld übrig, um mir ein paar Lebensmittel zu kaufen.

Wie wunderbar Gott ist! Er gibt alles, was wir brauchen!

Wunder im Krankenhaus
Ein anderes Mal ging ich mit einem Kollegen von Haus zu Haus. Kurz bevor wir losgingen, um Bücher zu verkaufen – es war fast 10 Uhr am Vormittag – sprach Gott zu mir und sagte, ich solle ins Krankenhaus gehen.

»Wie bitte? Ins Krankenhaus?« Mein Kollege machte sich Sorgen. «Wir wollen doch Bücher verkaufen!«

»Ich weiß, wir wollen Bücher verkaufen, aber der HERR sagt mir, dass wir ins Krankenhaus gehen sollen.«

»Okay«, lenkte mein Kollege widerwillig ein. »Aber in welches Krankenhaus sollen wir denn fahren?«

Ich stutzte: »Hmm, ich weiß es nicht!« »Was? Du weißt es nicht?« »Nein, aber bitte warte mal einen Moment!«

Ich ging etwas zur Seite und fragte Gott: »HERR, in welches Krankenhaus sollen wir gehen?« Der Heilige Geist antwortete: »Hoper-Krankenhaus!«

Ich ging also zurück und sagte überzeugt: »Wir gehen ins Hoper-Krankenhaus!«

Auf der Fahrt dorthin, fragte mein Kollege, wen wir denn dort besuchen. Ich stutzte wieder: »Hmm, ich weiß es nicht. Aber warte!«

Ich lehnte mich auf meinem Sitz zurück: »HERR, wen sollen wir besuchen?« Der Heilige Geist sagte: »Ein junges Mädchen.« Mein Kollege war einverstanden.

Wir fuhren also zum Krankenhaus, stiegen auf dem Parkplatz aus und gingen zur Rezeption. Dort stellte ich mich wie gewohnt vor: »Mein Name ist Maurice Berry, ich bin Evangelist und möchte eine junge Frau besuchen.«

Die Frau lächelte mich an und fragte freundlich: »Mr. Berry, wissen Sie auch den Namen der jungen Dame? Wir haben hier viele junge Damen.«

Oh, was sollte ich sagen? »Ähm, bitte warten Sie!«

Ich ging ein Stück abseits zum Warteraum und betete: »HERR, wie ist der Name des Mädchens?« Der Heilige Geist antwortete: »Johnson.«

Ich ging also zurück zur Information und teilte der jungen Frau mit: »Ich möchte ein junges Mädchen mit dem Namen Johnson besuchen. Sie ist im dritten Stock.«

»Danke, Mr. Berry«, sagte die Frau an der Information, »aber wissen Sie auch den Vornamen? Wir haben eine ganze Liste von Johnsons.«

Was sollte ich sagen? Ich fragte den HERRN, aber ich bekam keine Antwort.

Ich zögerte: »Meine Dame, ich möchte ein Mädchen mit dem Namen Johnson besuchen. Sie liegt im dritten Stock. Das ist alles, was ich weiß.«

Die junge Frau blickte mich an: »Okay, bitte nehmen sie den Aufzug dort. Er wird Sie in die dritte Etage bringen. Vielleicht finden Sie das Mädchen. Ich darf Ihnen das eigentlich nicht erlauben, aber ich lasse Sie trotzdem durch.«

Ich war erleichtert, bedankte mich und fuhr mit meinem Kollegen in die dritte Etage. Dort angekommen, sagte die innere Stimmet: »Bleib hier stehen!«

Mein Kollege war unruhig und fragte immer noch, was wir denn hier eigentlich machten, wo wir doch Bücher verkaufen wollten.

Ich betete also und sagte meinem Kollegen, dass der HERR mir gesagt hatte, dass die Leute, die wir treffen sollen, hier um die Ecke kommen würden. Die ersten kamen und mein Kollege fragte:

»Maurice, sind das die Leute?« »Nein.«

Eine andere Familie kam.

»Sind sie das?«

»Nein.«

Mein Kollege schaute mich ungeduldig an:

»Maurice, woher willst du wissen, wer es ist?« »Gott wird es mir sagen!«

Wir standen also da und warteten.

Endlich kam eine Frau um die Ecke, ganz langsam mit gesenktem Kopf. Es war die Frau, die ich kurz vorher bei der Rezeption gesehen hatte. Sie war eilig ins Krankenhaus gerannt gekommen, durch den Flur zur Rezeption gejagt, hatte ihren Namen schnell aufgekritzelt und war zum Aufzug gehastet. In der Eile hatte ich sie nicht näher betrachtet.

Nun waren wir im dritten Stock, die Dame kam um die Ecke und die innere Stimme sagte: »Das ist sie!«

Ich ging zu ihr und stellte mich vor: »Bitte entschuldigen Sie, mein Name ist Maurice Berry. Ich bin Evangelist und Prediger, und Gott hat mich für Sie hierher gesandt.«

Sie schaute mich mit großen Augen an: »Mr. Berry, kommen Sie schnell mit!«

Ich ging mit ihr um die Ecke in einen Raum. Dort lag ein kleines Mädchen im Bett. Sie lag im Sterben. Sichelzellanämie. Ich ging zu dem Mädchen und die Dame sagte: »Das ist meine Nichte. Können Sie bitte für sie beten?«

Ich fühlte einen Kloß im Hals. »Bevor ich mit Ihnen bete, möchte ich ihr eine Geschichte erzählen.«

Ich nahm eine Kinderbibel heraus und erzählte dem Mädchen, wie Jesus einmal wiederkommen wird. Dann zeigte ich ihr die Bilder, wie Jesus mit all den Engeln kommt, und erzählte ihr, dass es dann keine Krankheit mehr geben wird, kein Leid, kein Weinen.

Das kleine Mädchen war tief bewegt. Sie wollte das Buch sehen, hielt es in ihren Armen und drückte es fest an sich: »Jesus wird kommen und es wird keine Krankheit mehr geben!«, flüsterte sie.

Uns allen standen die Tränen in den Augen.

Dann wollten wir beten und ich fragte die Frau: »Wie ist der Name des Mädchens?«

Die Frau antwortete: »Kelly. Kelly Johnson.« Kelly JOHNSON?

Ich versicherte mich, dass wir tatsächlich im dritten Stock waren. Ja, es war Raumnummer 303!

Ich konnte es kaum fassen! Ein kleines Mädchen mit dem Namen Johnson in Raum 303!

Die Frau erzählte mir: »Schon seit 30 Tagen bete ich, dass Gott einen Prediger zum Krankenhaus sendet. Aber immer, wenn ich hierherkam, war niemand da. Heute war ich schon einmal im Krankenhaus, aber wieder war niemand da. Ich wollte zurück nach Hause fahren, war schon mit dem Auto auf dem Weg, da sagte mir eine Stimme: ›Es ist ein Prediger im Krankenhaus. Er möchte mit deiner Nichte beten.‹ Ich nahm die nächste Abfahrt auf der Autobahn, raste zurück zum Krankenhaus, stieg aus, rannte zur Information, schrieb mich schnell ein, fuhr in die dritte Etage, und als ich ankam … war niemand da! Ich war traurig, doch dann kamen Sie zu mir und sagten, dass Gott Sie gesandt hat! Jetzt weiß ich: Gott erhört Gebet! Früher war ich gläubig, aber ich bin vom Glauben abgekommen. Jetzt, weiß ich, dass Gott Gebet erhört, und ich werde wieder in den Gottendienst gehen.«

Held im Gangterritorium

Einmal kam ich bei der Buchevangelisation zum Haus einer Frau. »Bitte entschuldigen Sie, ich kann gerade nicht mit Ihnen sprechen«, sagte sie. »Ich habe mir das Bein verletzt und habe große Schmerzen.« »Würde es Ihnen etwas ausmachen, wenn ich mit Ihnen bete?«, fragte ich. »O nein, bitte sehr! Beten Sie mit mir! Ich bete sehr gern.« Also betete ich mit ihr; die Frau bedankte sich und ich verließ das Haus.

An der Straßenecke trafen wir auf eine Gang. Einer der Jungs fragte: »Hey, was macht ihr hier? Ihr seid in Anzügen und habt allerhand Zeug dabei. Was macht ihr hier in dieser Gegend?«

»Wir arbeiten für Gott«, war meine Antwort. »Okay, aber was habt ihr dort in eurer Tasche?« Wir schwiegen.

»Hey, raus mit der Sprache: Was hast du dort in der Tasche?«

Mein Kollege flüsterte mir zu: »Berry, ich denke, wir müssen kämpfen. Du kannst Karate und ich kann boxen. Wir können uns hier freikämpfen.«

Ich flüsterte zurück: »Wir werden nicht kämpfen. Gott wird uns helfen.«

Der junge Mann schrie uns an: »Ich frage dich noch ein letztes Mal: Was ist in der Tasche?« Schritt für Schritt kam die Gang näher.

»Was machen wir jetzt?», fragte mein Kollege ängstlich.

»Bete!«, sagte ich ernst.

Er betete, ich betete. »HERR, was sollen wir tun?« Der Geist Gottes antwortete: »Predige!«

Also fing ich an: »Okay, ihr wollt wissen, was ich in der Tasche habe?«

Alle kamen näher und schauten auf die Tasche. Ich öffnete sie langsam mit zwei lauten Klicks. Alle schauten hinein.

Mit einer kräftigen Bewegung zog ich eine große Familienbibel heraus und rief mit lauter Predigerstimme: »In meiner Tasche ist eine Offenbarung des lebendigen Gottes! Er hat die Macht, euer Leben zu ändern. Ich bin so froh, dass ihr mich angehalten habt. So kann ich euch heute von Jesus erzählen.«

Die Jungs machten einen Satz zurück. »Hey, hör auf damit, das interessiert uns nicht …«

In dem Augenblick kam ein Mädchen die Straße entlang gerannt und rief: »Lasst den Mann in Ruhe!« »Hey, geh wieder heim«, sagte der Gangleader. »Nein, Mama hat mich losgeschickt. Ich soll diesen Mann finden. Dieser Mann hat für unsere Mama gebetet und Mamas Bein wurde wieder gesund!« »Was? Bist du sicher?« »Ja, Mamas Bein geht es wieder gut! Ich soll zu dem Mann gehen und ihm danken, dass er für sie gebetet hat.«

Plötzlich drehte sich der junge Mann zu mir um und sagte: »Wenn das wahr ist, was meine Schwester hier sagt, dann garantiere ich dir: Du darfst hier überall rumlaufen und niemand wird dir etwas tun. Wir werden schon dafür sorgen! Wie heißt du eigentlich? Wie sollen wir dich nennen?« Ich sagte: »Nenn mich einfach: Bibelmann.«

Daraufhin konnten wir dort unbehelligt arbeiten, Bücher verkaufen und niemand störte uns. Mit einer Ausnahme:

Eines Abends hörten wir einen jungen Mann auf der anderen Straßenseite, der uns laut drohte: »Hey, wer seid ihr? Und was wollt ihr hier?«

Ein anderer fiel ihm ins Wort: »Hey, lass ihn in Ruhe, das ist der Bibelmann! Wenn du ihm was tust und er betet, dann geschehen die merkwürdigsten Dinge!«

So erhielten wir den Schutz der Gangs in dieser Gegend. Gottes Macht hatte sich wieder offenbart!

Maurice Berry
wuchs in den 50er und 60er Jahren in einer Vorstadt von Detroit auf. Er erlebte Gewalt, Angst und Sinnlosigkeit, bis er Gott kennenlernte. Heute spricht er in verschiedenen Ländern und im Netz über seine Erfahrung.

Quelle: hoffnung HEUTE, Ausgabe 8


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