Lebensgeschichte

Die große Wende

Wie mit dem Fall des Sozialismus auch mein Leben aus den Fugen geriet.

Herbst 1989. Die Mauer fällt. Mit ihr fällt auch mein Weltbild in sich zusammen. Ich erlebe, wie der ganze Ostblock auseinanderbricht, und ich verliere den letzten Rest meines Glaubens an den Kommunismus. Wenn ich ehrlich bin, hat er schon seit einiger Zeit bedenkliche Risse erhalten …

Mein Vertrauen in die Menschen ist erschüttert. Die ganze Doppelbödigkeit und Verlogenheit des politischen Systems wird auf einen Schlag für alle offenbar. Ich bin total aufgewühlt: Man sprach immer von Volksdemokratien; in Wirklichkeit handelte es sich aber um Diktaturen. Unsere Führungsgremien redeten von Selbstlosigkeit, gönnten sich selbst aber fast jeden Luxus. Uns predigte man Wasser und trank selbst Wein. Und von den sogenannten »allseitig entwickelten sozialistischen Persönlichkeiten«, die nur das Wohl der Gesellschaft im Sinn hätten, keine Spur.

Für die meisten Deutschen ist diese politische Wende ein Aufbruch in die Zukunft, doch in mir sieht es anders aus. Eine schreckliche Leere frisst sich in meine Seele. Ich fühle mich betrogen. Und nun steht sie wieder vor mir, mächtiger denn je: Großvaters große Frage nach dem Sinn des Lebens.
Großvaters Frage

»Weißt du, mein Junge«, sagte mein Großvater an einem der langen Winterabende und schaute mich ernst an, »du bist noch jung und kerngesund. So war ich auch einmal.« Ich war damals etwa sieben Jahre alt. Großvater und ich saßen in der Küche. Sorgfältig schälte er einen Apfel. Er wusste, dass ich besondere Freude daran hatte, wenn am Ende die Apfelschale als lange Schlange herunterhing.

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